Die Gesellschaft zur Förderung der Magnetschwebetechnologie (Transrapid) e.V. bietet denjenigen Parteien, welche derzeit in der Bürgerschaft vertreten sind oder nach der Bürgerschaftswahl am 29. Februar 2004 die Chance haben, in der Bürgerschaft vertreten zu sein, die Möglichkeit, sich zum Thema Transrapid zu äußern. Zu diesem Zweck wurden Wahlprüfsteine bestimmt und per Post in der vergangenen Woche an die folgenden Parteien geschickt:
SPD Landesorganisation HamburgDie Stellungnahmen werden in der kommenden Woche veröffentlicht
Sehr geehrte Damen und Herren,
die Gesellschaft zur Förderung der Magnetschwebetechnologie (Transrapid) e.V., kurz GFM, ist eine Interessengemeinschaft engagierter Bürger, die sich für den Einsatz dieser Schlüsseltechnologie mit dem Ziel einsetzt, ein europaweites Hochgeschwindigkeitsverkehrsnetz zu schaffen. Ein solches EuroRapid-Netz wäre kein Ersatz für das europäische Eisenbahnnetz – sondern vielmehr seine ideale Ergänzung im oberen Geschwindigkeitssegment in Zentral- und Nordeuropa.
Die GFM möchte aktiv dazu beitragen, daß Vorbehalte in der Politik und Öffentlichkeit gegenüber der Magnetschwebetechnologie ausgeräumt werden und die Bewertung dieses innovativen spurgeführten Verkehrsmittels auf der Grundlage von aktuellen Fakten erfolgt.
Heute möchten wir Ihnen einige Wahlprüfsteine vorlegen, also Schlüsselfragen, welche den zukünftigen Senat angehen sollten. Die Antworten werden mit Ihrer Zustimmung im Internet veröffentlicht, um unseren Mitgliedern einen Vergleich bieten zu können. So bitten wir Sie, sich für die folgenden Zeilen etwas Zeit zu nehmen.
Am 21. Dezember 2001 hat das niederländische Kabinett entschieden, durch die Zuiderzee-Region im Norden des Landes eine Hochgeschwindigkeitstrasse von Amsterdam über Almere, Lelystad, Heerenveen und Drachten bis nach Groningen zu bauen.
Ob der ICE, der TGV oder die Magnetschnellbahn Transrapid zum Zuge kommt, ist zwar noch offen, jedoch haben die drei nördlichen niederländischen Provinzen Groningen, Friesland und Drenthe ihre Finanzierungszusagen für eine Verbindung Amsterdam-Groningen an das Transrapid-Projekt gekoppelt, weil sie sich durch die schnelle Magnetbahnverbindung wesentliche Standortverbesserungen und ökonomische Impulse für ihre Regionen erhoffen.
( Siehe auch http://www.magneetzweefbaan.nl/Klaar_Voor_Vertrek/ZuiderZeeLijn.html und http://www.transrapid.nl/images/kohn_kaart.jpg )
Der Kabinettsbeschluß in den Niederlanden ist eine Steilvorlage für Deutschland, auch hier den Planungsprozeß zu intensivieren.
Werden Sie sich dafür einsetzen, daß das Transrapid-Projekt Groningen-Oldenburg-Bremen-Hamburg bei der nächsten Anpassung der Leitlinien für Transeuropäische Netze in den europäischen Verkehrswegeplan aufgenommen wird?
In Nord- und Zentraleuropa gibt es noch keinen Hochgeschwindigkeitsverkehr (> 250 km/h) der Eisenbahn. Dieser ist auf den vorhandenen Gleisen auch nicht möglich. Wenn Europa – gerade mit Blick auf die EU-Osterweiterung – zusammenwachsen soll, sind leistungsfähige Verkehrstrassen und schnelle Verbindungen zwischen den Metropolen jedoch unverzichtbar.
Die Eisenbahn ist zwar stark im Regionalverkehr, bei Distanzen über 200 km aber keine wirkliche Alternative zur Magnetschnellbahn, weil die konventionellen Züge zu langsam und ICE-Neubaustrecken zu teuer sind. Verglichen mit einem ICE-Neubaugleis ist die Transrapid-Trasse wesentlich günstiger zu bauen (ICE Köln-Frankfurt: ca. 27 Mio. € pro km, Transrapid Berlin-Hamburg: ca. 18 Mio. €/km) und die Instandhaltungskosten liegen um 2/3 niedriger, zugleich ist aber die Verkehrserwartung um 10 Prozentpunkte höher. Kurzum: Spätestens nach der Kostenexplosion beim Bau der ICE-Strecke Köln-Frankfurt ist klar, daß eine Ausdehnung des Hochgeschwindigkeitsnetzes nur noch mit der Magnetschnellbahn finanzierbar ist.
Deshalb haben Spitzenvertreter der „IHK Nord“ am 16. Oktober 2003 im Rahmen eines Parlamentarischen Abends in Berlin die Idee eines EuroRapid-Netzes von Amsterdam über Hamburg bis Warschau sowie von Stockholm über Hamburg bis Budapest vorgestellt, welches eine völlig neue Verkehrsqualität ermöglichen würde. Vertreter des niederländischen Verkehrsministeriums, Jeroen Fukken und Ronald van der Meijs, stellten den Stand der Planungen und das weitere Verfahren für den Streckenabschnitt zwischen Amsterdam und Groningen vor, welcher ein erster Meilenstein auf dem Weg zu einem europäischen Magnetschnellbahnnetz werden könnte.
Befürworten Sie Realisierung dieses EuroRapid?
In der festen Überzeugung, daß Europa ein neues Verkehrssystem braucht, das die Metropolen in bislang nicht bekannter Qualität verbindet, haben sieben norddeutsche Industrie- und Handelskammern, die Kamer van Koophandel Groningen und der deutsch-niederländische Zweckverband Ems Dollart Region (EDR) am 21. November 2003 in Bremen den Verein „Trans EuroRapid Network e.V. (TERN)“ gegründet.
Neben Prof. Dr. Schmidt-Trenz, Hauptgeschäftsführer der Handelskammer Hamburg, gehören dem Vorstand Dr. Reinhard Kolck, stellvertretender Vorsitzender der Ems Dollart Region, und Dr. Christian-A. Fricke, Hauptgeschäftsführer der Oldenburgischen IHK, an.
Der Verein „TERN“ setzt sich für die Förderung der Magnetschwebebahntechnologie mit dem Ziel ein, ein europaweites Hochgeschwindigkeitsverkehrsnetz von Amsterdam über Groningen, Leer, Oldenburg (Oldenbg.), Bremen, Hamburg, Schwerin, Berlin, Frankfurt (Oder) und Posen bis nach Warschau sowie von Stockholm über Jönköping, Helsingborg, Kopenhagen, Oldenburg (Holst.), Lübeck, Hamburg, Schwerin, Berlin, Dresden, Prag, Pardubice, Brünn, Wien, Bratislawa und Györ bis nach Budapest zu schaffen.
Sind Sie bereit, diese Initiative zu unterstützen?
Das Verkehrsaufkommen in der Metropolregion Hamburg hat in den letzten Jahren insbesondere wegen der überdurchschnittlichen Wachstumsraten im Hafenumschlag stark zugenommen. Alle vorliegenden Prognosen gehen auch für die nächsten Jahre von jährlichen Steigerungsraten im Containerumschlag von bis zu 7 % aus. Gerade bei den Seehafen-Hinterlandverkehren macht sich dieses Verkehrswachstum zunehmend stärker bemerkbar. Die zentrale Rolle, die Hamburg als Überseehafen, Verkehrsdrehscheibe und Logistik- und Distributionszentrum im Norden Mitteleuropas spielt und behalten soll, muß sich auch in der Verkehrsinfrastruktur widerspiegeln.
Wer jedoch ernsthaft fordert, daß der Güterverkehr auch zwischen Hamburg und Berlin endlich wieder vermehrt von der Straße auf die Schiene wechselt, der kommt nicht um die Feststellung umhin, daß diese Forderung mit dem geplanten Personenschnellverkehr auf der ICE-Ausbaustrecke Hamburg-Berlin mit Geschwindigkeiten von 230 km/h und einem Stundentakt nicht zu vereinbaren ist.
Befürworten Sie den Bau einer Neubaustrecke Hamburg-Berlin, um die Streckenkapazität zu erweitern?
Die Transrapid-Verbindung zwischen Hamburg und Berlin war baureif vorbereitet, als im Februar 2000 die Deutsche Bahn AG davon Abstand nahm. Angeblich hielt sie die Wirtschaftlichkeit des Betriebs für nicht ausreichend. Die Wirtschaftlichkeitsstudie der DB AG für das Transrapid-Projekt Hamburg-Berlin aus dem Jahr 2000 beruhte jedoch auf falschen Annahmen: Die voraussichtlichen Kosten des Transrapid wurden damals über- und die erzielbaren Einnahmen deutlich unterschätzt.
Derzeit nutzen zwischen Hamburg und Berlin rd. 16 % der Reisenden die Eisenbahn, nach Verkürzung der Fahrtzeit auf 1½ Stunden werden dies nach Bahn-Schätzungen gut 20 % sein. Die Prognosen zum Transrapid ergaben einen Anteil von rund 33 % aller Reisenden, dieser Sprung ist wesentlich auf die Fahrtzeit von unter 1 Stunde bei hoher Frequenz zurückzuführen. Geschwindigkeit ist also kein Luxus, sondern die unabdingbare Voraussetzung, die Reisenden zum Umsteigen vom Auto zu bewegen.
Die letzten Prognosen für den Transrapid Hamburg-Berlin lagen bei 8,5 Mio. Passagieren p.a. Dies mag hoch erscheinen, verliert aber beim Blick auf unsere Nachbarn das Visionäre. In den Niederlanden werden für die Strecke Amsterdam-Groningen 14,5 Mio. Passagiere prognostiziert und in Frankreich fuhren 2002 mit dem TGV Atlantique (Paris-Bordeaux) tatsächlich über 26 Mio. Passagiere. Es ist kein Grund ersichtlich, warum zwischen Hamburg und Berlin nicht über 10 Mio. Passagiere mit der Magnetschnellbahn fahren sollten. Sofern diese Strecke in einem EuroRapid-Netz eingebunden wäre, dürfte die Zahl sogar in der Nähe der TGV-Werte in Frankreich liegen.
Bei der Finanzierung der Transrapid-Strecke Hamburg-Berlin wurden seinerzeit alle Erlösprognosen auf der Basis eines Fahrpreises von 15 Cent/km, (45 € für die einfache Fahrt) gerechnet, höhere Fahrpreise wären nach Einschätzung der Bahn nicht durchsetzbar. Das ICE-Ticket für die Neubaustrecke Köln-Frankfurt, die um gut 100 km kürzer ist, kostet dagegen 51 €, mithin 29 Cent/km. Bei einer neuen Wirtschaftlichkeitsberechnung für den Transrapid könnte also von deutlich höheren Einnahmen ausgegangen werden bei zugleich niedrigeren Baukosten, insbesondere durch den Einsatz chinesischer Baufirmen, die mittlerweile als einzige über das aktuellste Know-how im Trassenbau verfügen.
Werden Sie sich dafür einsetzen, das Planfeststellungsverfahren der Transrapid-Strecke Hamburg-Schwerin-Berlin wieder aufzunehmen und rasch zum Abschluß zu bringen, damit die Strecke vor 2012 in Betrieb gehen kann?
Der Automobilclub von Deutschland (AvD) fordert die verantwortlichen Politiker auf, die Pläne für ein europäisches Transrapid-Netz zu verwirklichen und damit die heutigen und kommenden Verkehrsprobleme endlich zu lösen. Insbesondere ist eine Verbindung zwischen Berlin und Leipzig in diesem Netz enthalten.
( Siehe auch http://www.avd.de/presse/transrapid_netz.jpg )
Werden Sie sich auch dafür einsetzen, diese Pläne zu verwirklichen?
Der Transrapid ist wieder im Gespräch – China sei Dank.
Es wäre ein wichtiges Zeichen für Innovation, wenn diese in Deutschland entwickelte Technologie bereits heute schon hier genutzt werden würde. Der erste kommerzielle Einsatz der Magnetschnellbahn (in China) wirft natürlich die folgende Frage auf:
Warum kam dieses Verkehrssystem bisher nicht auch in Deutschland zum Einsatz und was werden Sie unternehmen, daß diese Technologieführerschaft hierzulande - im Gegensatz zum Fax seinerzeit - gehalten werden kann und was sind Innovationskampagnen wert wenn ihre Ergebnisse hinterher nicht umgesetzt werden?
Mit allerbestem Dank im Voraus für Ihre Aufmerksamkeit und Unterstützung
Dr.-Ing. Wulf H. Rumpel
Gesellschaft zur Förderung der Magnetschwebetechnologie (Transrapid) e.V.
http://www.pro-transrapid.org/