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Wahlkampf in Sachsen. Wie halten es die Parteien mit dem Transrapid?

Die Gesellschaft zur Förderung der Magnetschwebetechnologie (Transrapid) e.V. bietet verschiedenen Parteien, die Möglichkeit, sich zum Thema Transrapid zu äußern. Zu diesem Zweck wurden Wahlprüfsteine bestimmt und per Post in der vergangenen Woche an die folgenden Landesverbände der Parteien geschickt:

CDU
CDU Landesverband Sachsen
Lortzingstraße 35
01307 Dresden
post@cdu-sachsen.de

PDS
Landesgeschäftsstelle der PDS Sachsen
Großenhainer Straße 93
01127 Dresden
geschaeftsstelle@pds-sachsen.de

SPD
Landesgeschäftsstelle der SPD Sachsen
Könneritzstraße 7
01067 Dresden
lv-sachsen@spd.de

Grüne
Landesgeschäftsstelle von Bündnis 90/Die Grünen in Sachsen
Wettiner Platz 10
01067 Dresden
info@gruenesachsen.de

FDP
FDP-Landesverband Sachsen
Wasastraße 2
01219 Dresden
info@fdp-sachsen.de

Graue
DIE GRAUEN Graue Panther
Landesverband Sachsen
Schweriner Str. 44
01067 Dresden
info@graue-panther-sachsen.de

Sehr geehrte Damen und Herren,

mit der Aufnahme von Estland, Lettland, Litauen, Polen, Ungarn, der Tschechischen Republik, der Slowakei, Slowenien, Malta und Zypern in die europäische Wertegemeinschaft am 1. Mai 2004 wurde die durch die Kriege des vergangenen Jahrhunderts bewirkte künstliche Teilung des Kontinents in eine Ost- und Westhälfte endgültig überwunden und die Vision Robert Schumans von einem Europa, dem alle Europäer angehören, Wirklichkeit.

Bereits vor mehr als 170 Jahren erkannte der württembergische Nationalökonom und Wirtschaftswissenschaftler Friedrich List (1789-1846) die Bedeutung der Verkehrsinfrastruktur für die Verwirklichung der Idee des geeinten Deutschlands. Dieser Gedanke läßt sich auf das erweiterte Europa und auf das Verkehrsmittel des 21. Jahrhunderts übertragen, die Magnetschnellbahn.

Hinter diesem Gedanken stehen z. B. der Automobilclub von Deutschland (AvD) und die Gesellschaft zur Förderung der Magnetschwebetechnologie (Transrapid) e. V., kurz GFM. Ersterer fordert die verantwortlichen Politiker auf, die Pläne für ein europäisches Transrapid-Netz zu verwirklichen und damit die heutigen und kommenden Verkehrsprobleme endlich zu lösen, um die Vereinigung Europas zu vollenden. Kenngrößen des Vergleichs mit dem geeinten Deutschland sind:

Vision von List AvD und GFM
Quelle Schrift „Über ein sächsisches Eisenbahnsystem als Grundlage eines allgemeinen deutschen Eisenbahnsystems“ (1833) www.avd.de/presse/transrapid_netz.jpg
www.pro-transrapid.org
Auswirkung Dresden - Leipzig (1838) von 21 h auf 3 h
Köln - Berlin (1852) von 168 h auf 14 h
Berlin - Tallinn von 60 h auf 5 h
Berlin - Thessaloniki von 40 h auf 6 h

Die Eisenbahn ist zwar stark im Regionalverkehr, bei Distanzen über 200 km aber keine wirkliche Alternative zur Magnetschnellbahn, weil die konventionellen Züge zu langsam und ICE-Neubaustrecken zu teuer sind. Verglichen mit einem ICE-Neubaugleis ist die Transrapid-Trasse wesentlich günstiger zu bauen (ICE Köln-Frankfurt: ca. 27 Mio. €/km, Transrapid Berlin-Hamburg: ca. 18 Mio. €/km) und die Instandhaltungskosten liegen um 2/3 niedriger, zugleich ist aber die Verkehrserwartung um 10 Prozentpunkte höher. Kurzum: Spätestens nach der Kostenexplosion beim Bau der ICE-Strecke Köln-Frankfurt ist klar, daß eine Ausdehnung des Hochgeschwindigkeitsnetzes nur noch mit der Magnetschnellbahn finanzierbar ist.

Die Magnetschnellbahn als das schlechthin revolutionäre Transportsystem des 21. Jahrhunderts wird die Gesamtheit Europas „vernetzen“ und hat so das Potential, das gesellschaftliche wie individuelle Leben in den Staaten der Europäischen Union weitaus stärker zu beeinflussen, als sich selbst Optimisten dies vorstellen können.

Der Freistaat Sachsen grenzt direkt an zwei neue EU-Staaten und wird von der Verbesserung der Infrastruktur profitieren.
Die GFM ist eine Interessengemeinschaft engagierter Bürger, die sich für den Einsatz dieser Schlüsseltechnologie mit dem Ziel einsetzt, dieses europaweite Transrapid-Netz zu schaffen.
Die GFM möchte aktiv dazu beitragen, daß Vorbehalte in der Politik und Öffentlichkeit gegenüber der Magnetschwebetechnologie ausgeräumt werden und die Bewertung dieses innovativen spurgeführten Verkehrsmittels auf der Grundlage von aktuellen Fakten erfolgt.

Heute möchten wir Ihnen einige Wahlprüfsteine vorlegen, also Schlüsselfragen, welche den zukünftigen Landtag angehen sollte. Die Antworten werden mit Ihrer Zustimmung im Internet veröffentlicht, um unseren Mitgliedern einen Vergleich bieten zu können. So bitten wir Sie, sich für die folgenden Zeilen etwas Zeit zu nehmen.

  Vergleich von Reisezeiten mit verschiedenen Verkehrsmitteln (einschließlich Nebenzeiten)  
  Modellhafter Vergleich von Haus-zu-Haus-Reisezeiten mit verschiedenen Verkehrsmitteln (einschließlich Nebenzeiten, wie z. B. die Zeit zum Erreichen des Bahnhofs bzw. Flughafens, die Zeit zum Einchecken, ... etc. pp.)  
  1. Das obige Diagramm zeigt die hinsichtlich der Reisezeit und der Reiseentfernung günstigsten Verkehrsmittel.

    Danach ist der Pkw bis etwa 100 km das zeitgünstigste Fortbewegungsmittel. Die Magnetschnellbahn ist bei Entfernungen zwischen 100 km und 1100 km schneller als alle anderen Verkehrsmittel. (Das sind natürlich keine festen Regeln, weil es auf die jeweilige Reisesituation ankommt.)

    Ein guter Vergleichsmaßstab ist der sogenannte Dreistunden-Radius. Damit ist die Entfernung gemeint, die der Fahrgast innerhalb einer Haus-zu-Haus-Reisezeit von drei Stunden zurücklegen kann. Er spielt eine wichtige Rolle im Geschäftsreiseverkehr, wo er einer Eintagesreise entspricht: Drei Stunden hin, fünf Stunden arbeiten, drei Stunden zurück. Zwischen ein und zwei Drittel der Geschäftsreisen im Fernverkehr sind solche Tagesreisen. Der Dreistunden-Radius hat aber auch für viele Privatreisende eine große Bedeutung.

    Der Transrapid vergrößert den Dreistunden-Radius für den spurgeführten Verkehr von ca. 400 km auf bis zu 1000 km.

    Stimmen Sie mit uns überein, daß solche Eintagesreisen im europäischen Maßstab mit dem umweltfreundlichen Transrapid möglich sind, vielleicht auch mit dem umweltschädlichen Kurzstreckenflugverkehr (gute Erreichbarkeit des Flughafens vorausgesetzt), nicht jedoch mit dem ICE oder dem TGV?

  2. Integration von Ländern Mittel- und Osteuropas in die Europäische Union

    Mit der Erweiterung der Europäischen Union verliert Deutschland seine Randlage. Notwendig ist, in Europa ein Magnetbahn-Hochgeschwindigkeitsnetz von Amsterdam über Berlin nach Warschau und von Stockholm über Kopenhagen, Berlin, Prag, Wien, Bratislawa und Budapest nach Thessaloniki zu knüpfen, um die Reisezeiten nach Ostdeutschland sowie in die mitteleuropäischen Beitrittsstaaten drastisch zu senken und den umweltschädlichen Kurzstrecken-Flugverkehr zu reduzieren.

    Werden Sie sich in Berlin dafür einsetzen, mit der Verwirklichung dieses Magnetbahn-Hochgeschwindigkeitsnetzes in Ostdeutschland schnellstmöglich zu beginnen und so der wirtschaftlichen Entwicklung Ihres Freistaats neuen Schub zu verleihen?

  3. Der Sächsische Landtag hat einen Landesentwicklungsplan (LEP) verabschiedet, in dem eine Hochgeschwindigkeitsverbindung Dresden-Prag über das Erzgebirge und dem Verlauf der Autobahn A17 folgend enthalten ist. Für diese Verbindung wurde eine Systemauswahl noch nicht getroffen, so daß auch – ähnlich wie in den Niederlanden – diese auf Basis der Magnetschwebetechnologie realisiert werden darf.

    Da diese Verbindung – obwohl im Bundesverkehrswegeplan angemeldet – in Berlin noch nicht auf der Tagesordnung steht, wird als Übergangslösung erwogen, die Eisenbahnstrecke Dresden – Decin – Prag durch das schmale Elbtal auf mögliche Geschwindigkeiten von 120 km/h auf 160km/h auszubauen. Dies würde sich jedoch negativ auf die Tourismusregion Sächsische Schweiz auswirken. Es erscheint daher sinnvoller, sich weiterhin für die Aufnahme einer Neubaustrecke Dresden – Prag in den Bundesverkehrswegeplan einzusetzen, und nach den Erfahrungen mit den alle Vorkalkulationen ad absurdum führenden Baukosten der ICE-Neubaustrecke Köln – Frankfurt, die ebenfalls durch Mittelgebirge führt, ausdrücklich die Option auf Magnetschwebetechnologie offenzuhalten.

    Was werden Sie in der kommenden Legislaturperiode unternehmen, damit die Neubaustrecke Dresden-Prag in den Bundesverkehrswegeplan aufgenommen wird und die Option auf Magnetschwebetechnologie dabei unver&aauml;ndert bestehen bleibt?

  4. Die Regierung der Niederlande hat im Geiste des EU-Wettbewerbsrechts – wie es auch in der "Planungsbasis Spurverkehr" der GFM festgehalten ist – mit einer Ausschreibung für die Zuiderzeelijn, einer schnellen öffentlichen Verkehrsverbindung von Schipohl/Amsterdam nach Groningen/Leuwarden begonnen.

    Unternehmen, die an der Entwicklung, dem Bau und dem Betrieb einer Magnetschnellbahn oder eines Hochgeschwindigkeitszuges interessiert sind, können sich nach dem Sommer anmelden. Die Ausschreibung beginnt 2005.

    Warum geht ein solches Verfahren nicht auch in Deutschland?

  5. Der Transrapid ist wieder im Gespräch – China sei Dank.

    Es ist ein wichtiges Zeichen für Innovation, wenn diese in Deutschland entwickelte Technologie hierzulande genutzt wird. Nur mit Mühe konnte bei dem ersten kommerziellen Einsatz der Magnetschnellbahn ein gleichzeitiges Abwandern der gesamten Technologie nach China abgewendet werden.

    Was werden Sie unternehmen, damit diesmal die Technologieführerschaft in Europa – im Gegensatz zum Fax (Erfindung von Robert Hell) und zum HDTV (Initiative von Manfred von Ardenne) seinerzeit – gehalten und ausgebaut werden kann?

Mit allerbestem Dank im Voraus für Ihre Aufmerksamkeit und Unterstützung

Gesellschaft zur Förderung der Magnetschwebetechnologie (Transrapid) e.V.


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