Vor 20 Jahren: Geschwindigkeitsrekord des TR06 auf Teilstück der TVE Lathen

Nach Informationen der ehemaligen Technik-Zeitschrift "hobby" (12/1985) des Ehapa Verlags Stuttgart erreichte der TR06 am 5. Oktober 1985 um 11:32h erstmalig eine Geschwindigkeit von 320km/h. Dies geschah nahezu unbemerkt von der Öffentlichkeit. Zu diesem Zeitpunkt war ein Testbetrieb auf der Transrapid Versuchsanlage Emsland (TVE) entlang einem 21,4 Kilometer langen nördlichem Teilstück möglich, welches im Vorjahr in Betrieb genommen wurde.

Zeitschriftenartikel in hobby 12/1985

Einige Wochen später geriet der Transrapid erstmalig in die Schlagzeilen, als der damalige Bürgermeister von Las Vegas William H. Briare nach einem Besuch der TVE in Lathen sein Interesse für den Einsatz der Magnetbahn auf einer Strecke zwischen Las Vegas und Los Angeles bekundete.

Zu dieser Zeit wurde bereits eine erste Anwendungsstrecke für Deutschland gesucht. Im Gespräch waren Hamburg-Hannover, Berlin-Hannover als Flughafenverbinder und als Favorit die Verbindung zwischen Köln und Frankfurt. Letztere wäre zugleich eine Demonstration der Leistungsfähigkeit des neuen Bahnsystems gewesen. Als Realisierunskosten wurden 1985 12 bis 15 Millionen DM pro Doppelspur-Kilometer errechnet, wohingegen die Kosten der Rad-Schiene-Lösung bei knapp 27 Millionen DM liegen sollten. Die etwa 180 Kilometer lange Strecke hätte somit als ICE-Trasse gut 5 Milliarden DM kosten sollen. Schließlich wurden es knapp 6 Milliarden Euro, vor allen wegen der exorbitanten Kosten der Tunnel-Bauwerke, von denen beim Transrapid nur etwa ein Drittel erforderlich gewesen wären.

Zunächst sollte jedoch der Rad-/Schiene-Technik Vorrang eingeräumt werden. Am 26.11.1985 wurde mit einer breit angelegten Medienaktion der Inter City Experimental (ICE) unter Anwesenheit von Forschungsminister Riesenhuber, Verkehrsminister Dollinger sowie Nordrhein-Westfalens Ministerpräsident Rau und Bahn-Chef Gohlke der Öffentlichkeit vorgestellt. Die Demonstrationsfahrt zwischen Bielefeld und Essen erreichte auf dem Streckenabschnitt zwischen Gütersloh und Oelde mit 317km/h fast die zuvor erreichte Rekordgeschwindigkeit des Transrapid, konnte sie jedoch nicht überbieten. Doch der ICE wurde zum "Lieblingsspielzeug vieler Politiker und Beamter", so der ehemalige Thyssen-Vorstands-Chef Dieter Spethmann. Als dieser Ende der Achtziger Jahre zusammen mit Alfred Herrhausen, dem damaligen Chef der Deutschen Bank in Bonn das Projekt einer privat finanzierten Transrapid-Verbindung als das "Große C" über sieben westdeutsche Großflughäfen zwischen Hamburg und München präsentierte und als Keimzelle die Verbindung zwischen Ruhrgebiet und Frankfurt nannte, erhielten sie von allerhöchster Stelle die Antwort:
"Da kommt doch der ICE hin!".


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